Leseprobe Ausgabe 18/19 Der 4. Dezember 1912

Der 4. Dezember 1912



Die innere Erschließung einer höheren geistigen Welt.



Es ist der Todestag Carl Huters.
Und in diesem Jahr der 100ste.
Damit rundet sich das Huter – Jahr auf eine Weise, die die Aufmerksamkeit erhöht. 150. Geburtstag am 9. Oktober 2011, 100.
Todestag am 4. Dezember 2012. Die Beschreibung seiner Lebenszeit, die Besonderheit seines Daseins ist von Zeitgenossen,
Lebensbegleitern beschrieben worden und ist so ungewöhnlich, dass die Hochachtung vor einer solchen Lebensleistung sich nicht
auf offizielle Daten der Ehrung beschränken kann, sondern ein dankbares Staunen erweckt für das große „Trotzdem!“ seiner
Haltung.
„Carl Huter trat mit großen künstlerischen Kräften und bedeutender wissenschaftlicher Veranlagung das Erbe Lavaters, Galls,
Spurzheims und aller Menschenkenner vor ihm an.
Er war ein bedeutender Mensch. Eine geniale Linie war nicht zu verkennen. Sein Jugendbildnis zeigt große Schönheit, reiches
Gefühlsleben und seltene Fähigkeiten.
Als Künstler besaß er zugleich hervorragende Anlagen zur Naturwissenschaft. Es lag etwas Universales in seinem eindrucksvollen
Kopf und seiner hochgewölbten Stirn, die sich wie ein weißer Schild über seinem Gesicht erhob.
Carl Huter übersah in der Tat das riesengroße Gebiet der Menschenkenntnis vollkommen. Es war, als ob alle seitherigen Gedanken
in ihm mündeten.
Mit 43 Jahren begann er sein Hauptwerk zu schreiben und publizierte es von 1904 – 1906 im Selbstverlag. Weitere Schriften
leistete er.
Carl Huter trat sehr früh schon mit Vorträgen an die Öffentlichkeit. Er hatte großen Erfolg, durch „Menschenkenntnis durch
Körper-, Seelen- und Gesichtsausdruckskunde. Carl Huters Kern war gut und groß.
Er war voller Bewunderung und Hingabe für die Sache der Menschenkenntnis, der er sein ganzes Leben weihte.
Obwohl Carl Huter im Jahre 1912 in misslichen Verhältnissen war, war er nicht mutlos geworden, aber krank.
Sein jüngster Sohn der 1910 geboren war, hat berichtet, dass hinter seinen Büchern lauter Fläschchen mit Herzmitteln gefunden
wurden.
Da war also sein liebesstarkes Herz, das stets beglücken und helfen wollte, krank geworden, hatte sich krank gelitten an der
Unvollkommenheit der Menschen, denen er ein gigantisches Werk ohne akademische Hilfe einer Universität schenken wollte,
Hinweise geben auf mehr Menschlichkeit.
In tiefer Verehrung vor dem Genie Carl Huters könnten zahlreiche Beweise zum 100. Todestag überliefert werden, durch die
Anerkennungsschreiben, die es gibt.
Aber das, was am deutlichsten aus seiner eigenen Feder zum ehrenden Gedenken dienen möge, sind seine Gedichte aus seiner
„Hochwart“ von 1902

„Das letzte Ade“

Juchei, Hollah, in die wogende See
Ade, mein Lieb, ein letztes Ade!
Hinaus in die Nacht, in die schürende Flut.
Was frag ich nach Leben, nach Lieben und Gut.

Ich kämpfte den Kampf um ein seliges Glück.
Kaum hatt` ich`s gewonnen, da nahm mir`s Geschick.
Drum eil ich hinaus in das endlose Meer.
Dem klag ich mein Leiden, mein Leiden so sehr.

Und komm ich nicht wieder ins freundliche Haus,
so schaut in das Meer in die Ferne hinaus.
Es schlagen die Wellen so rauschender mein Weh.
So klagend urewig an den Ufern der See.



„Erinnerung“

Ein Jahr dahingegangen
voll Leid und Schmerz und Lust,
ich denk zurück mit Bangen,
mit schmerzbewegter Brust.

Die Zeit, sie flieht von hinnen,
und kennt nicht Rast noch Ruh,
was wir von ihr gewinnen,
schließt sie uns wieder zu.

Kaum reinstes Glück in Händen
fällt es in finst`re Nacht,
wo wir den Rücken wenden,
ist größtes Leid vollbracht.

Was soll das Klagen, Sorgen,
mein Herz bleib still und treu.
Es kommt ein neuer Morgen,
auf diesen dich noch freu.

Was uns die Zeit geboren,
verpflichtet Herz und Sinn,
und was uns scheint verloren,
es brachte uns Gewinn.

Der Schmerz, er ist im Leben,
wie Feuer jedem Erz.
Er soll uns höher heben,
und läutern Geist und Herz.

Die Lieb vereint mit Tugend,
nur sie bringt Glück und Ruh,
was du verwundet, Jugend,
mit Wohltun heil es zu.

Huter vom Haine

Als er am 4. Dezember 1912 seine Augen für immer schloss, waren seine letzten Worte: „Ich bin so müde.“
Der sensitive Carl Huter hat die Unsterblichkeit beschrieben und ist in sie eingegangen.
Dankbar gedenken wir seiner.


........

(Fortsetzung in der aktuellen Ausgabe von Praktische Psycho-Physiognomik nach Carl Huter)

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